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[Des Kaisers Neue Kleider]

Warum die Albaner während der NATO-Bombenangriffe flüchteten -

„Wie es wirklich war ..."

Interview mit Cedda Prlincevic
Interviewer Jared Israel
Dolmetscher Petar Makara

Dies ist das zweite Interview von Emperor´s Clothes mit Cedda Prlincevic, dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Pristina. Im ersten Interview (>>> Cedda Prlincevic / Jared Israel – Aus dem Kosovo vertrieben, http://emperors-clothes.com/german/articles/d-Cedda-interview.htm) schilderte Herr Prlincevic, wie er und tausende Jugoslawen von der UCK mit Unterstützung der NATO aus Pristina vertrieben worden sind.

Die NATO behauptet, sie hätte Jugoslawien im Frühjahr 1999 bombardiert, um jugoslawische Kriegsverbrechen an der albanischen Bevölkerung zu unterbinden. Diese angeblichen Verbrechen hätten zur im Fernsehen rund um die Welt gezeigten Massenflucht der Albaner aus Kosovo geführt.

Das stimmt nicht, sagt Herr Prlincevic.

Der Außenminister Svilanovic des neuen Regimes in Belgrad teilt den Standpunkt der NATO bezüglich der „Kriegsverbrechen". Er lud sogar das von der NATO eingerichtete und kontrollierte Marionettentribunal in Den Haag ein, eine Filiale in Belgrad zu eröffnen und versprach, bei der Jagd auf serbische Führer behilflich zu sein.

Wie die Tatsachen beweisen, hat dieses Tribunal nicht viel erreicht. Es beschäftigte hunderte Gerichtsexperten und durchwühlte Kosovo über ein Jahr lang (mit Hilfe von UCK-Leuten), aber fand keine Beweise für serbische Gräueltaten. Aber das läßt die NATO kalt. Unterstützt durch ihre neuen Partner in Belgrad (der „Independent" vom 25. Oktober zitiert den Bürgermeisgter Milan Protic, der die „Entnazifizierung" der jugoslawischen Regierung verlangt hatte) verstärkte die Propagandamaschinerie der NATO ihre Attacken gegen den gestürzten Präsidenten Milosevic und andere, indem sie behauptete, der Exodus all dieser ethnischen Albaner beweise, dass es Gräueltaten gegeben haben müsse. Warum wären sie sonst geflüchtet?

Ja, warum wohl.

Lassen wir Herrn Prlincevic berichten, den Historiker des Kosovo.

Warum die Albaner während der Bombenangriffe der NATO geflüchtet sind

  • "Jared Israel: Die NATO behauptet, die Albaner wären vor Gräueltaten geflüchtet. Wir NATO-Gegner im Westen sagen, sie wären vor den Bombanangriffen geflüchtet. Sie sagen, wir beide lägen falsch – die Albaner flüchteten weder vor den Serben noch vor den Bomben." (aus dem nachstehenden Interview)
  • Israel: Warum verließen so viele Albaner Kosovo wenige Tage nach dem Einsetzen der NATO-Bombenangriffe? Hat sie die jugoslawische Armee angegriffen?

    Prlincevic: Nein, sie hat sie nicht angegriffen. In einigen Gebieten hat die Armee Leute umgesiedelt, aber innerhalb Kosovos. Es war geplant, sie weiter ins Landesinnere von Serbien zu bringen. Sie müssen verstehen, das die Armee sich in einer äußerst schwierigen Situation befand. Ein größerer Zusammenstoß zwischen NATO und der jugoslawischen Armee wurde erwartet. Von NATO-Bodenangriffen waren besonders die Grenzgebiete zu Albanien bedroht.

    Was sollte die jugoslawische Armee zum Schutz der Bevölkerung in den Grenzgebieten unternehmen unter diesen Umständen, mit der UCK, die innerhalb Kosovos ihre Attacken ausführte und mit der NATO, die für die Invasion gerüstet war und bereit für die Bombenüberfälle?

    Sie sollten wissen, dass die Armee eine ähnliche Erfahrung im Jahr 1991 in Vukovar gemacht hat. Damals war die Zivilbevölkerung eingesperrt zwischen den Fronten der Armee und den kroatischen neofaschistischen Ustascha-Sezessionisten. Um diesen Fehler nicht wieder zu begehen, wollte die Armee eine 40 km breite Zone schaffen, damit die Zivilbevölkerung nicht zwischen sie, die NATO und die UCK geraten könne.

    Zu dieser Zeit stieg die Zahl der UCK-Terroristen stark an, die illegal die albanische Grenze nach Kosovo überquerten. In dieser Situation mussten sie einige unangenehme Massnahmen ergreifen. Wie Sie sehen, war es eine äußerst schwierige Situation.

    Albaner ermordet

    Israel: War das am Beginn der Bombenangriffe?

    Prlincevic: Ja, und auch schon davor. In dieser Periode versuchte die jugoslawische Regierung, örtliche albanische Krisenzentren zu organisieren, um Hilfsgüter zu verteilen, sowie auch ein Hauptquartier in Zusammenarbeit mit der jugoslawischen Armee einzurichten, das die in der Gefahrenzone wohnhaften ethnischen Albaner tiefer ins Landesinnere umsiedeln sollte, weg von den möglichen Kampfgebieten.

    Aber die ethnischen Albaner, die mit der Armee kooperierten, wurden zum Ziel für die UCK. Viele wurden ermordet.

    Israel: Gab es diese Krisenzentren in ganz Kosovo oder nur in den Grenzgebieten zu Albanien?

    Prlincevic: Hauptsächlich in den Grenzgebieten.

    Die Krisenzentren verteilten Hilfsgüter, die aus ganz Serbien kamen. Zum Beispiel gab es Nahrungsmittel und Baumaterial aus dem Norden, aus der Vojvodina. Die Menschen schickten Decken, Lebensmittel, Kleidung usw.

    Der Westen versteht die ethnischen Albaner nicht

    Israel: Zurück zum albanischen Exodus während der Bombenangriffe: Wenn die jugoslawische Armee die Albaner nicht vertrieben hat, warum sind so viele geflüchtet? Es stimmt, dass wir die genaue Zahl nicht kennen. Die westlichen Medien haben jede Menge Zahlen berichtet, von 150.000 bis zu über einer Million. Sicher ist, dass viele Tausende geflüchtet sind. Warum? Um den Bomben zu entkommen?

    Prlincevic: Auch nicht.

    Israel: Auch nicht?

    Prlincevic: Nein. Der Grund, warum sie flüchteten und Serbien nach Albanien oder Mazedonien verließen, liegt in der kulturellen Geschichte der albanischen Menschen, die in Kosovo leben. Infolge ihrer besonderen Eigenart, von der meiner Meinung die Leute im Westen überhaupt keine Ahnung haben, konnte die UCK einen großen Erfolg erzielen, als sie Albaner, die mit der jugoslawischen Regierung kooperierten, attackierte und ermordete.

    Israel: Ich hätte gedacht, mit solchen Attacken würde die UCK die Menschen gegen sich aufbringen.

    Prlincevic: Nein, keineswegs. Sie brachten die ethnisch albanische Bevölkerung dazu, nicht mehr mit der jugoslawischen Regierung zu kooperieren, sondern stattdessen zu beginnen, mit der UCK zusammenzuarbeiten.

    Israel: Muss nicht eine Guerillabewegung die einfachen Menschen anständig behandeln, um Unterstützung zu bekommen?

    Prlincevic: Ja, das stimmt, aber die UCK war nie das, was Sie unter einer Guerillabewegung verstehen. Sie war eine vom Ausland organisierte terroristische Vereinigung, die eine bestimmt Botschaft überbrachte.

    Die sogenannte "Internationale Staatengemeinschaft", sprich NATO hatte lautstark verkündet, sie hätte für die Albaner geplant, ihnen die Unabhängigkeit zu geben und ein Großalbanien, wodurch sie zu einer größeren Macht in Südeuropa würden. Diese Propaganda des Westens gibt es seit zehn Jahren, während sich die Krise in der albanischen Gemeinschaft verschärfte. Bereits vor den Bombenangriffen ersuchten einige albanische Vertreter die jugoslawische Regierung, ihren Leuten zu erlauben, Konvois zu bilden und nach Mazedonien zu ziehen, hauptsächlich um aus dieser Krise herauszukommen.

    Israel: Welche Krise? Die Kämpfe zwischen jugoslawischer Armee und UCK?

    Prlincevic: Nur teilweise, obwohl diese Kämpfe schwer ins Gewicht fielen, wie auch die Bombenangriffe, die kurz darauf begannen, bedeutende psychologische Auswirkungen hatten. Aber es hatte mit der UCK zu tun. Sehen Sie, die UCK versuchte, ihre Ziele zu erreichen. Um diese Ziele zu erreichen, wozu auch gehörte, dem Westen zu beweisen, dass sie sie erreichen könnten, sagten sie den ethnischen Albaner, sie sollten verschwinden. Sie sagten es allerdings nicht höflich. Es war ein Befehl. Verstehen Sie?

    Zur gleichen Zeit attackierten Spezialeinheiten der UCK und wenig später NATO-Bomber den Verkehr auf den wichtigen Straßen, die in das Innere von Serbien führten.

    Israel: Und das hat die Albaner überzeugt?

    Prlincevic: Ja. Es hielt sie ab, weiter in Richtung Serbien zu gehen und vermittelte ihnen auch die Botschaft: Jugoslawien kann euch nicht helfen.

    In der Zwischenzeit schulten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre UCK-Handlanger in Albanien unter anderem in dieser Art von psychologischer Kriegsführung, um um die Albaner dazu zu bewegen, zeitweise Serbien zu verlassen.

    Israel: Sie sagen also, diese Kultur, diese Kosovo-albanische Kultur tendiere stark dazu, nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche zu funktionieren?

    Prlincevic: So ist es. Langsam kommen Sie drauf.

    Israel: Und die USA sagten den Albanern "Wir helfen euch, unabhängig zu werden; wir machen euch zu Stars. Aber wenn ihr unsere Hilfe zurückweist, bringen wir euch um." Ist es so?

    Prlincevic: Ihre Frage ist sehr komplex. Ich muss da eine lange Antwort geben.

    Israel: OK

    Prlincevic: In ihrer Geschichte waren die Kosovoalbaner nie in Frontenkriege verwickelt. Stattdessen hatten sie kleine Kampfeinheiten namens Kachatzi, kleine Gruppen von Kriegern, die nach „hit and run"-Taktiken (= zuschlagen und sich zurückziehen) vorgingen. Sie hatten nie schwere Waffen, wie sie in Frontenkriegen gebraucht werden.

    Durch die westliche Ausbildung sollte erreicht werden, dass die UCK ihre bisherige Taktik aufgeben und stattdessen zu einer Armee werden sollte, die die Befehle der NATO in ganz Kosovo ausführen sollte. Die Fußtruppen der NATO.

    Zu diesem Zweck verließ eine UCK-Gruppe Kosovo und ging nach Albanien, wo sie von den US-Amerikanern ausgebildet wurde und so nebenbei die Kerntruppe dessen wurde, was jetzt als Kosovo-Schutzkorps bezeichnet wird. Sie marschierte im Juni 1999 zusammen mit der NATO in Kosovo ein und besetzte Ämter und Regierungseinrichtungen und vertrieb hunderttausende Serben, Roma („Zigeuner"), Juden, projugoslawische Albaner und andere.

    Israel: Sagen Sie, dass nach der Übernahme des Kosovo durch die NATO diese UCK-Typen den Auftrag hatten, diese Menschen zu vertreiben?

    Prlincevic: Ja. Wir können heute die Ergebnisse der Aktionen genau dieser Kräfte heute sehen. Die NATO plante die Vertreibung von 350.000 Menschen. Ohne Zustimmung und Anleitung würden die UCK-Leute, die die NATO ausgebildet und zurück nach Kosovo gebracht hatte, nie eine Massenvertreibung in diesem Ausmaß auch nur versucht haben. Unmöglich. Die NATO hat eine potentiell rebellische Bevölkerungsgruppe eliminiert.

    Und vergessen Sie nicht, sie haben nicht nur Nicht-Albaner vertrieben. Die vielleicht wichtigste Gruppe waren die Albaner, die in einer offiziellen Funktion die jugoslawische Regierung unterstützt hatten. Diese mussten das Land verlassen. Die NATO wollte erreichen, dass die verbleibende ethnisch albanische Bevölkerung ohne mögliche jugoslawische Alternative sein sollte.

    Israel: Die erste Welle von Albanern, die zusammen mit den KFOR (=NATO)-Truppen die Grenze überschritten, waren also eingeschworene UCK-Leute? Nicht einfach Gangster?

    Prlincevic: Einige waren UCK-Gangster und andere waren normale Gangster aus Albanien. Sie verübten und duldeten alle Arten von Verbrechen. Einige wollten sich rächen, einige wollten stehlen, einige dies, andere das, um irgendwelche politischen Ziele zu erreichen. Und keiner hat die anderen gestört. Sie taten es alle, ohne sich gegenseitig ins Gehege zu kommen.

    Israel: Alle gehörten zur UCK? Da gab es keine unbekannten Element? KFOR behauptet, unbekannte Elemente hätten diese Verbrechen verübt und verübten sie noch immer.

    Prlincevic: Die KFOR weiß genau, wer die Vertreibungen organisiert hat, und selbstverständlich wurden UCK-Verbrechen zu einer massenhaften Erscheinung, nachdem den ethnischen Albanern klar geworden war, dass KFOR die kriminellen Aktionen der UCK tolerierte. Wer immer kriminelles anstellte, tat es unter dem UCK-Deckmantel. Wenn einer das Auto eines Serben stehlen wollte, bräuchte er nur zu sagen: „Ich bin von der UCK."

    Israel: Weil sie wussten, dass ihnen die KFOR nichts tun würde, wenn sie zur ----uck gehörten?

    Prlincevic: Ja, sie wurden sakrosankt.

    Israel: Noch einmal zurück zur Zeit vor dem Bombenüberfall: Sie sagten, dass es in diesem Gebiet entlang der Grenze zwei Dinge gegeben habe: die Armee versuchte, die Menschen aus den potentiellen Kampfgebieten zu evakuieren und organisierte die ansässigen Albaner für die Selbstverteidigung. Aber gleichzeitig war ein Teil der Albaner von der anderen Seite, der UCK, organisiert worden. So ging es also um die Herzen der ethnischen Albaner?

    Prlincevic: Ja. Zuerst war die jugoslawische Regierung zuversichtlich, sie könne die albanische Bevölkerung dazu bewegen, sich zur Verteidigung gegen die UCK zu organisieren. Diesbezügliche Versuche wurden im Winter 1999 während der Verhandlungen in Rambouillet unternommen, ehe die Bombenangriffe begannen.

    Israel: Mein Eindruck ist, dass die UCK in dieser Periode eher schwach da stand. Stimmt das?

    Prlincevic: Ja, aber denken Sie daran, dass kontinuierliche Verstärkung aus Albanien dazukam. So hatte sie zwar wenig öffentliche Unterstützung, aber diese Verstärkung aus Albanien, mit der sie versuchte, das Kräfteverhältnis zu wenden.

    Israel: Deswegen gab es also ständige Zusammenstöße an der Grenze, weil jugoslawische Truppen diese Eindringlinge bekämpften.

    Prlincevic: Das stimmt.

    Israel: Die Hauptbasis der UCK befand sich in Nordalbanien?

    Prlincevic: Zu dieser Zeit schon. Aber das Programm der jugoslawischen Regierung zur Selbstverteidigung versagte in der Grenzregion, worauf Schritt für Schritt in ganz Kosovo die Leute auf die UCK-Seite umschwenkten.

    Israel: Während der Bombenangriffe wurde die UCK als Beobachter für die NATO-Luftangriffe eingesetzt?

    Prlincevic: Ja. Eindeutig.

    Israel: Dienten die Bombenangriffe dazu, Albaner aus Kosovo zu vertreiben?

    Prlincevic: Nicht in erster Linie, aber doch, indem sie die Bemühungen der UCK verstärkten, die Region zu destabilisieren. Herr Walker war es, der die UCK organisiert hat. Herr Walker von der Beobachtermission, die unter dem Deckmantel der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) im Herbst 1998 nach Kosovo kam.

    Sehen Sie, das ist eine komplizierte Angelegenheit und ich müsste eine lange Antwort geben. Auch diese internationale Gruppe von Beobachtern, diese Beobachtermission, auch sie war einbezogen in die Organisierung der UCK. Vor dem Bombenüberfall hatten wir diese angespannte Diplomatie. Die Europäische Union und die USA bestanden darauf, ihre Kräfte als Friedensbeobachter nach Kosovo zu entsenden. An der Spitze dieser Friedenssicherer stand Herr Walker.

    Diese Beobachter organisierten die UCK. Deswegen nahmen die terroristischen Angriffe der UCK zu, nachdem sie angekommen waren. In dieser Zeit gab es keine größeren Bevölkerungsbewegungen, weder albanische noch serbische, obwohl diese internationale Beobachtergruppe die Fundamente dafür legte. Sie brauchten eine Massenflucht, um für die internationale öffentliche Meinung den Eindruck einer Krise zu schaffen.

    Israel: Wie haben sie die Grundlage für diese Massenflucht geschaffen?

    Prlincevic: Sie schafften sie, indem sie die UCK einige Albaner ermorden ließen, die mit der Regierung zusammengearbeitet hatten.

    Israel: Die Beobachter, die OSZE-Beobachter haben das alles gemacht?

    Prlincevic: Ja, sie organisierten die UCK zu einer einheitlicher strukturierten Kraft, damit sie Einfluss auf die Entwicklung bekam. Und sie bereiteten die Bombenüberfälle vor. Die jugoslawische Regierung erwischte einige Albaner und Serben, die Bombenleitsysteme aufstellten. Das sind Radiosender, die Signale ausstrahlen, mit denen Ziele identifiziert werden können ...

    Wir waren verwirrt, als die OSZE-Beobachter Kosovo verließen. Eigentlich wäre offenkundig gewesen, warum sie abzogen. Ihre Arbeit war getan.

    Israel: Irgendwie komme ich da nicht mit. Sprechen wir darüber, dass die Beobachter verantwortlich waren für die Aufstellung von Bombenleitsystemen?

    Prlincevic: Ja! Das ist eine Sache, die sie organisierten. Ich sage das in voller Verantwortung. Ja, die OSZE-Beobachter haben den NATO-Überfall vorbereitet.

    Die UCK ist nur ein Handlanger für das, was die NATO in diesem Teil der Erde erreichen wollte. Alle derzeitigen politischen Probleme weisen auf die NATO hin, sei es in Kosovo, Montenegro oder der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien.

    Israel: Bitte erklären Sie das genauer.

    Prlincevic: Ich meine, dass Kosovo nur ein Bereich der Destabilisierung Jugoslawiens ist. Er wird manipuliert von den USA und Europa. Das denke ich mir nicht, das ist offensichtlich.

    Israel: Bitte entschuldigen Sie diese bohrenden Fragen. Die Menschen wollen endlich Antwirten auf ihre Fragen bekommen. Niemand hat bisher klare Antwirten gegeben.

    Prlincevic: Ich danke Ihnen für die Fragen. Und noch einmal: ich beantworte sie in vollem Bewusstsein meiner Verantwortlichkeit, die Wahrheit zu sagen.

    Israel: Ich verstehe. Sie sind ein Geschichtswissenschafter des Kosovo.

    Prlincevic: Ja, das bin ich, und ich will, dass die Menschen die Wahrheit über das erfahren, was hier geschehen ist.

    Also noch einmal zurück in die Periode vor den Bombenangriffen: Die OSZE hat Maßnahmen getroffen, um eine Massenflucht von Albanern nach Mazedonien und Albanien herbeizuführen. Dahinter steckte die Idee, die physische Barriere der Grenze zwischen Jugoslawien auf der einen und Mazedonien und Albanien auf der anderen Seite zu durchbrechen. Die OSZE wollte für die internationale Öffentlichkeit den Eindruck einer humanitären Katastrophe schaffen.

    Israel: Schon vor dem Bombenüberfall?

    Prlincevic: Ja. Die OSZE hat in der Tat das gesamte Szenario für die Krise in Kosovo organisiert. Noch einmal – sie versuchten, die ethnisch albanische Bevölkerung nach Albanien und Mazedonien zu drängen und damit den Eindruck eines humanitären Alptraums zu erwecken.

    Wir waren überrascht, dass kurz vor dem Einsetzen der Bombardierungen eine bedeutende Anzahl von Albanern begann, sich in Richtung Grenze zu bewegen. Wir waren überrascht. Aber natürlich war das geplant.

    Israel: Aber zu dem Zeitpunkt sind noch keine Bomben gefallen.

    Prlincevic: Zu dieser Zeit bekam die UCK einen starken Zustrom an Verstärkung aus Albanien. Sie attackierten Straßenkreuzungen usw. mit der Absicht, ein völliges Chaos und den Zusammenbruch der Situation in Kosovo herbeizuführen. Das alles zu dem Zweck, allen Albanern etwas klar zu machen.

    Israel: Warum sind die ethnischen Albaner dann geflüchtet? Ich wünschte, Sie könnten mir da Hinweise geben.

    Prlincevic: Genau deswegen habe ich an den Anfang der Antwort auf Ihre Frage die Ausführungen über die Kultur des albanischen Volkes gestellt. Die Albaner sind sehr strikt nach Clans organisiert und es ist ein wesentlicher Teil ihrer Tradition, dem Führer des Clans zu gehorchen. Wenn der Anführer des Dorfes sagt „Wir wollen für diesen Kandidaten stimmen", dann werden sie für diesen Kandidaten stimmen, und wenn der Anführer sagt „Gehen wir alle" – dann gehen sie.

    Israel: Aber warum sollten die Anführer der Clans sagen "Gehen wir alle"?

    Prlincevic: Zuerst einmal wollte ein großer Teil der ethnischen Albaner die Situation wiederherstellen, die vor hundert Jahren unter dem Ottomanischen Reich und später während des Zweiten Weltkriegs herrschte, als Kosovo von den Nazis und deren albanischen Handlangern kontrolliert wurde. Der größte Teil der albanischen Bevölkerung war von der sezessionistischen Bewegung für dieses Ziel gewonnen worden.

    Versprechungen aus den USA

    Wenn ich von Sezession spreche, werden Sie an die Basken is Spanien oder die Iren in Nordirland denken, aber hier ist es ganz anders. In Kosovo hat eine Supermacht die Sezessionisten seit mehr als zehn Jahren unterstützt. Aufgrund dieser Unterstützung waren die Albaner psychologisch darauf vorbereitet, die Abspaltung zu erreichen – nein, nicht zu erreichen, sondern zu bekommen. Als Geschenk. Die sezessionistischen Führer beginnend mit Rugova hatten ihnen versprochen „Tut dies, tut das, und die USA werden intervenieren und wir werden Kosovo bekommen." Seit Jahren hatten sie diese Versprechungen gemacht. „Opfert eure Kinder, indem ihr die Schulen boykottiert, opfert eure Gesundheit, indem ihr die Spitäler boykottiert, benutzt eure Leiden, um der ausländischen öffentlichen Meinung zu zeigen, wie wir unter den Serben leiden, und die USA werden kommen und uns retten."

    Bis März 1999 war dieses politische Theater zehn Jahre lang gelaufen. „Die USA werden uns befreien." Und natürlich – viele Albaner glaubten, dass im Zweiten Weltkrieg die deutschen Nazis die Albaner befreit hätten.

    Die jugoslawische Verfassung aus dem Jahr 1974 hat nicht geholfen. Sie schwächte die Zentralregierung in Belgrad und ermutigten diejenigen Kräfte in Kosovo, die zum Regime im Zweiten Weltkrieg zurückkehren wollten, als albanische Nationalisten Kosovo unter den Nazis beherrschten und die Serben, Roma und Juden terrorisierten. Nach 1974 nahmen die Ausschreitungen gegen Serben und Roma zu. Das zeigte sich besonders deutlich während der Aufstände der ethnischen Albaner im Jahr 1981.

    Das waren rassistische Aufstände, mit Serben als Ziel, sowohl der serbischen Priesterschaft als auch gewöhnlichen serbischen Bürgern. Danach betraten die US-Amerikaner die Bühne und verstärkten die politische Stärke der Sezessionisten ums Zehnfache.

    1990 ermutigten die USA offen die Sezessionisten

    Als etwa der Botschafter der USA Zimmermann 1990 in Jugoslawien eintraf (vor dem Ausbruch der Sezessionskriege) war eine seiner ersten Auftritte die Eröffnung einer Ausstellung architektonischer Arbeiten aus Chicago in Kosovo. Er benützte diese Ausstellung, um die albanischen Sezessionisten zu ermutigen.

    Israel: Wie?

    Prlincevic: Er lud weder Vertreter der jugoslawischen Bundesregierung noch der serbischen Regierung ein. Aber er lud Ibrahim Rugova (den wichtigsten sezessionistischen Anführer in dieser Zeit) und dergleichen Leute ein.

    Indem sie die Bundesregierung, die die multiethnische Gesellschaft repräsentierte, und die albanischen Anführer, die gegen die Sezession waren dermaßen vor den Kopf stieß, hatte diese Aktion Zimmermanns weitreichende psychologische Auswirkungen.

    Israel: Das kann ich mir vorstellen. Jedermann merkt, wer nicht zu einer Veranstaltung eingeladen wird.

    Ja, besonders in dieser Zeit, als die ultranationalistische Agitation in Kosovo besonders stark war, Kosovo von Serbien abzuspalten, Teile von Mazedonien und Bulgarien wegzunehmen und alles zusammen mit Albanien zusammenzuhängen. Und es waren die Führer, die Zimmermann eingeladen hat. Wie sollten Albaner gegen die Abspaltung argumentieren, wenn Rugova sagen konnte „Siest du nicht? Wir haben die stärkste Nation der Erde hinter uns!"

    Israel: Rugova wird oft als der "Gute" hingestellt im Gegensatz zur UCK.

    Prlincevic: Beide haben das selbe Ziel: Sezession. Sie unterscheiden sich in den Methoden. Rugova trägt immer ein Halstuch als Symbol für die Gefangenschaft oder was immer der Albaner in Jugoslawien. Er sagt, er will es erst abnehmen, wenn Kosovo sich von Serbien trennt.

    Aus eigenen geopolitischen Überlegungen unterstützten die USA bewusst die sezessionistischen Tendenzen unter den Albanern und benützte diese gegen die jugoslawische Regierung, um den Balkan zu destabilisieren.

    Es ist eine Tatsache, dass Serben und Albaner Jahrhunderte lang einigermaßen friedlich zusammen gelebt haben, jedenfalls in Friedenszeiten. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben diesen Zustand beendet.

    Serben und Albaner halfen sich gegenseitig während der Bombenüberfälle, bis …

    Israel: Gab es in Pristina während der Bombenangriffe Bemühungen, eine Einheit zwischen Albanern, Serben und anderen Bevölkerungsgruppen herzustellen?

    Prlincevic: Wir als loyale Bürger Jugoslawiens, egal ob Serben oder Albaner, versuchten zusammen zu arbeiten und zusammen zu leben, uns gegenseitig zu helfen.

    Israel: Was machte die Mehrheit der Menschen in Pristina? Versuchte die Mehrheit, sich gegenseitig zu helfen?

    Prlincevic: Ja. Es war die Stadt der Intellektuellen. Wir wohnten in der selben Nachbarschaft. Unsere Kinder besuchten die selben Schulen. Wir wohnten in den selben Häusern.

    Israel: Die Sezessionisten hatten dort also nicht viel zu sagen?

    Prlincevic: Anfänglich nicht, aber später wurden sogar in Pristina immer mehr Albaner ins Lager der Sezessionisten gezogen. Ursache dafür waren bestimmte kulturelle Züge, deren Wurzeln tief in ihrer Geschichte begründet lagen. Während der Bombenangriffe etwa brachen sie auf einmal auf. Wenn wir sie fragten „Warum macht ihr das?", antworteten sie „Weil wir müssen."

    Israel: Von wem sprechen Sie jetzt?

    Prlincevic: Von Professoren, Geschäftsführern von Betrieben, Pensionisten, sogar pensionierten jugoslawischen Armeeoffizieren, die ethnische Albaner waren.

    "Tut mir leid, ich muss gehen."

    Ich erzähle Ihnen, was ich selbst erlebt habe: Mein albanischer Nachbar war ein Professor. Er schien sehr in das jugoslawische Leben integriert zu sein. Unsere Kinder spielten miteinander, wir waren Freunde. Und dann – auf einmal packte er zusammen und verließ seine Wohnung, um Kosovo zu verlassen. Ich fragte ihn: „Warum gehst du weg, Nachbar?" Er antwortete: „Tut mir leid, ich mujss gehen." Darauf sagte ich: „Warum? Hier sind wir sicher. Niemand belästigt dich. Unsere Wohnanlage ist nicht bombardiert worden. Wir helfen alle zusammen." Er sagte: „Mir wurde befohlen zu gehen." Er gab mir die Schlüssel, damit ich auf seine Wohnung aufpassen konnte ... Ironischerweise, nachdem er nach der Besetzung durch die NATO zurückgekehrt war und ich von den UCK-Gangstern vertrieben wurde, gab ich ihm meine Schlüssel, damit er auf meine Wohnung aufpassen konnte.

    Israel: Aber wer hat ihm befohlen zu gehen?

    Prlincevic: Der Anführer seines Clans.

    Israel: Warum?

    Prlincevic: Um seinen Gehorsam gegenüber der UCK zu beweisen. Das alles war im nationalen Plan der UCK vorgesehen. Alle loyalen Albaner sollten das Land während der Bombenangriffe verlassen und nach Albanien oder Mazedonien gehen, um der Welt zu zeigen, wie schrecklich die Serben waren. Dieser Exodus war inszeniert, er war eine Aufführung, Hollywood in Kosovo. Was wäre Hollywood ohne Schauspieler? Eine große Anzahl von Albanern musste spielen, musste wirklich Kosovo verlassen. Das war nichts anderes als das, was sie zehn Jahre lang betrieben hatten – etwa vorzugeben, sie wären von den Schulen ausgesperrt worden, während das alles ein organisierter Boykott war, und so weiter.

    Darüber hinaus – wenn sie erst einmal in den Flüchtlingslagern waren, gerieten die Albaner unter die direkte Führung der UCK, die sie nach allen Regeln der Kunst indoktrinieren konnte. Was sie auch tat.

    Israel: Aber warum stimmte der Anführer seines Clans diesem verrückten Plan zu?

    Prlincevic: Sie halten das für verrückt? Das bringt uns zum Kern der Sache. Zwischen den Attacken der UCK auf Albaner, die mit der jugoslawischen Regierung kooperiert hatten und den fortgesetzten Bombenangriffen der NATO besonders gegen Albaner, die der UCK nicht gehorchten, brachte die UCK ihre Botschaft hinüber zu den Anführern der Clans. Die Anführer der Clans befahlen also ihren Leuten, zusammenzupacken und das Land zu verlassen.

    Israel: "Jared Israel: Die NATO behauptet, die Albaner wären vor Gräueltaten geflüchtet. Wir NATO-Gegner im Westen sagen, sie wären vor den Bombanangriffen geflüchtet. Sie sagen, wir beide lägen falsch – die Albaner flüchteten weder vor den Serben noch vor den Bomben."

    Prlincevic: Sagen wir es so: die Bombenangriffe bieten keine ausreichende Erklärung. Wenn sie nur vor den Bomben geflüchtet sind, warum mussten sie nach Albanien oder Mazedonien gehen? Warum nicht nach Serbien? Und was ist mit Leuten wie meinem Freund, der anscheinend ohne Grund zusammenpackte und ging? Wir anderen, Serben, Juden und Roma waren auch in Pristina. Warum sind wir nicht geflüchtet? Ist uns unser Leben weniger wert als ihnen ihres? Nein, es waren nicht die Bomben. Sie hatten Angst, ihren Clanführern nicht zu gehorchen.

    Aber die Bombenangriffe spielten eine wichtige Rolle. Die UCK diente als Beobachter, sie konnten NATO-Angriffe gegen feindliche Albaner lenken, was dann die Anführer der Clans überzeugte, dass die UCK über große Macht verfügte.

    Es war psychologische Kriegführung mit dem Ziel, die psychologische Krise unter den Albanern anzuheizen, eine Krise, die auf Angst beruhte.

    UCK und NATO sagten den Albanern: die NATO unterstützt die UCK. Wenn die NATO gewinnt, wird die UCK die Führung übernehmen, und wenn ihr jetzt nicht gehorcht und das Land verlasst, werdet ihr später große Probleme bekommen. Es wird dann keinen sicheren Ort geben.

    Das ist es, was ich meinte, als ich sagte, Sie müssten Einblick in die albanische Kultur bekommen, um zu verstehen, warum die Albaner das Land verlassen haben.

    Sie müssen auch Bescheid wissen über die Blutrache.

    Blutrache und der Kanon von Leke

    Prlincevic: Ein Buch hat besonders großen Einfluss auf die Kosovoalbaner. Es heißt „Der Kanon von Leke Dukagjiniis" und ist ein Text aus dem 15. Jahrhundert, der Regeln für unser Verhalten festlegt. Er behandelt bis ins letzte Detail, wie die Blutrache auszuführen ist, wann wer getötet werden muss. Es behandelt die richtigen Methoden beim Töten und diverse andere Regeln.

    Und dieser Kanon lebt unter den Albanern von heute, besonders seit dem Fall des Kommunismus. Es ist eine extrem an der Tradition orientierte Kultur. Blutrache bildet eine ständige Bedrohung für Albaner. Tausende Menschen in Albanien und Kosovo können ihre Häuser nicht verlassen, weil sie gejagt werden, sogar ein Kleinkind kann im Zuge einer Blutrache als Opfer auserkoren werden. Aus diesem Grund sind Häuser von Kosovoalbanern oft von hohen Mauern umgeben und haben Schießscharten anstelle von Fenstern.

    Indem sie systematisch Menschen ermordete, die sich weigerten, sie zu unterstützen, weckte die UCK tiefgehende Ängste unter den Albanern: die Weigerung eines Clanangehörigen, zu gehorchen, konnte zur Rache gegen seinen gesamten Clan führen. Und jetzt hatte die UCK die NATO-Bomber, um die Blutrache durchzuführen.

    Was mich überrascht hat ist das Ausmaß der Auswirkungen dieser Dinge auf Albaner, sogar Intellektuelle. Es ist erstaunlich. Hier ist ein Professor in Pristina, sehr gebildet, aber wenn der Befehl seines Clanführers kommt, der vielleicht 100 km entfernt wohnt, packt der Professor sofort zusammen und geht nach Albanien, ohne auch nur daran zu denken, nein zu sagen.

    Israel: Wir haben diese Taktik der UCK nicht begriffen. Wir dachten, ihre terroristischen Aktionen wären kontraproduktiv.

    Prlincevic: Sie kannten ihre eigenen Leute, ihre Ängste, ihre Traditionen. Sie wußten, dass wenn sie beweisen könnten, wie tödlich sie sind, die Anführer der Clans klein beigeben würden.

    Jetzt leben sie in einer Gesellschaft, die von Gangstern beherrscht wird. Das alles wäre nicht geschehen, hätten nicht die Vereinigten Staaten von Amerika jahrelang darauf hin gearbeitet.

    ***

    Anmerkung: Die Planer der USA waren sich des destabilisierenden Potentials der ethnischen Albaner in Kosovo mindestens seit 1982 voll bewusst. Hier ein kurzer Auszug aus einer Studie über Jugoslawien im Rahmen der „Area handbook series" der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika.

    Dr. William Evans-Smith, Direktor der Foreign Area Studies für die American University in Washington, DC, schreibt:

    Hier ein Zitat aus dem Buch:

    Dieses Buch wirde herausgegeben vom Hauptquartier, Department of the Army (DA Pam 550-99), Documents, U.S. Government Printing Office, Washington, DC. Man bekommt es in Büchereien (wohl in den USA, d. Übers.)

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