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[Des Kaisers Neue Kleider]

Bomben auf Buddha

George Szamuely, 15.3. 2001

Irgendwie ist er amüsant, dieser weltweite Horror über die Entscheidung der Taliban, Afghanistans Buddhastatuen zu zerstören, einschließlich der beiden Riesenbuddhas in der Provinz Bamiya. Diese stammen noch aus der Zeit der buddhistischen Herrschaft vor der Ankunft des Islam im neunten Jahrhundert. Ungeachtet der Proteste sind die Taliban dabei, kurzen Prozess zu machen. Mit Flugzeugabwehrgeschossen, Panzern und Sprengstoff haben sie bereits große Teile der Statuen zerstört. Die Äußerungen der Führer des Westens trieften vor salbungsvoller Ehrfurcht. Bis vor zwei Wochen hatte zwar keiner von ihnen die leiseste Ahnung, dass es Buddhastatuen in Afghanistan gibt, jetzt aber gebärden sie sich als die obersten Denkmalschützer. Jedenfalls bemühen sie sich sehr, jegliche feindselige Äußerung gegen den Islam zu vermeiden.

Der Sprecher des US-Außenministeriums Richard Boucher bezeichnete die Statuen als "wichtigen Teil des Weltkulturerbes und des kulturellen Erbes Afghanistans . Die Vereinigten Staaten von Amerika schließen sich . anderen Regierungen an, die von den Taliban verlangen, der Zerstörung eines bedeutenden Teils von Afghanistans kulturellem Erbe Einhalt zu gebieten." Nach ihrem Treffen in Triest gaben die Umweltminister der G-8-Gruppe der größten Industrienationen folgendes luftige Statement von sich: "Eingedenk der Tatsache, dass die Verschiedenheit natürlicher und menschlicher Systeme im Mittelpunkt nachhaltiger Entwicklung steht, bringen wir Empörung und Schock angesichts der Berichte über den Erlass der afghanischen Regierung zum Ausdruck." "Afghanistans reiches Kulturerbe," geht es weiter, "ist von vitaler Bedeutung nicht nur für die Menschen in Afghanistan, sondern für die ganze Welt."

Da konnte die Europäische Union nicht zurückstehen. In einer von Schweden in Pakistan herausgegebenen Erklärung verurteilte die EU die Zerstörung: "Die Präsidentschaft der EU verurteilt entschieden dieses Verbrechen gegen das Welterbe und bedauert zutiefst, dass es im Namen einer der wichtigsten Religionen der Welt begangen worden ist." Der deutsche Kulturminister Julian Nida-Rümelin verglich - unvermeidlich - die Zerstörung der Statuen mit den Bücherverbrennungen der Nazis. "Es geht um einen Teil des Kulturerbes, was die Welt nicht gleichgültig hinnehmen kann" erklärte er.

Die UNESCO schickte einen Gesandten nach Kabul, um mit den Taliban eine "Lösung" zu verhandeln. Das New Yorker Metropolitan Museum of Art bot an, für die Entfernung der Buddhas aus dem Land zu bezahlen. Es gab auch einen Vorschlag, eine Riesenmauer vor den Statuen aufzubauen, um sie so vor islamischen Augen zu verbergen. Aber der Taliban-Außenminister Wakil Ahmad Muttawakil verwarf diese Ideen. "Wir haben alle Möglichkeiten, sie zu erhalten oder zu verstecken," erklärte er, "aber unser Urteil fordert ihre Zerstörung." Er könne da nichts machen, sagte er. Jede andere Vorgangsweise wäre gegen das islamische Recht: "Unser Dekret beruht auf islamischen Geboten und ... wir werden keine Statuen aus der vor- oder nachislamischen Zeit verschonen."

"Weltkulturerbe," "kulturelles Welterbe," "Verschiedenheit natürlicher und menschlicher Systeme," "eine der wichtigsten Religionen der Welt" - solches Phrasengeklingel kommt den Wächtern der Neuen Weltordnung leicht von den Lippen. Zumindest gelegentlich. Die Zerstörung der buddhistischen Statuen ist nämlich keineswegs das erste Beispiel islamischer Intoleranz gegenüber anderen Religionen in jüngster Zeit.

Seit mindestens zwei Jahren führen albanische Muslime eine systematische Kampagne der Vernichtung des "reichen kulturellen Erbes" - so lautet wohl die zutreffende Phrase - der serbisch orthodoxen Kirche in Kosovo durch. Diese fand statt, während die Provinz von der NATO militärisch besetzt war und der formellen Rechtssprechung der UNO unterstand. Dennoch haben diese Zerstörungen sehr wenig Protest und so gut wie keine Verurteilung hervorgerufen. Das Met hat nicht angeboten, Geld für die Rettung wertvoller Kulturschätze aufzutreiben. Die UNESCO hat keinen Gesandten nach Pristina geschickt, um dringende Verhandlungen mit der UCK zu führen. Der Verlust von Europas christlichem Erbe zählt also nur wenig. (Eine umfangreiche Dokumentation finden Sie in dem Artikel > anklicken > "Ein deutschsprachiger Auszug aus der Dokumentation über die Zerstörung der christlichen Kultur in Kosovo und Metochien vor den Augen der "Weltgemeinschaft", d.Übers.)

Dieser zügellose Vandalismus überraschte die NATO nicht, und schon gar nicht die Vereinigten Staaten von Amerika. Seit Jahrzehnten hat die US-Regierung diesen islamischen Fundamentalismus gefördert, um ihn als Werkzeug zur Sicherung ihrer Weltherrschaft einzusetzen. Diese Politik begann lange vor der sowjetischen Besetzung von Afghanistan. Es war kein Zufall, dass die US-Regierung ausgerechnet die extremsten Gruppen islamischer Fundamentalisten unterstützte, die gegen die Russen kämpften. Und gewiss nicht deshalb, weil sich die Führer der Vereinigten Staaten von Amerika über die wahren Absichten ihrer Handlanger nicht im Klaren gewesen wären.

Im Gegenteil, schon in den 60er Jahren hatten sie die Nützlichkeit des islamischen Fundamentalismus erkannt. Fürs erste würde er ein Bollwerk bilden gegen die Art von arabischem Radikalismus, den besonders Ägyptens Gamal Abdul Nasser vertrat. Die Araber sollten sich mit der Einhaltung der religiösen Gebote und Vorschriften und der Kleiderordnung beschäftigen statt mit der Frage, warum eine Handvoll von Scheichs über sagenhafte Reichtümer verfügt, während der Rest der Bevölkerung in bitterer Armut leben muss.

Die Taliban gehen sozusagen aufs Konto von CIA und Pakistans ISI (Inter-Services Intelligence Directorate). Diese waren darauf aus, eine besonders radikale sunnitische Strömung zu fördern, die sich mit der strengen Einhaltung der Scharia zufrieden gab, ohne sich mit den drängenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu befassen. Das passte Saudiarabien vorzüglich, da es einerseits daran interessiert war, seine Position in der islamischen Welt gegen die erfolgreichen Schiiten in Iran zu stärken. Andererseits fürchteten die saudiarabischen Herrscher über den größten Erdölexporteur der Welt nichts mehr als politischen Radikalismus.

Das überrascht nicht. Eine kleine Gruppe von Leuten mit ihren Großfamilien und Anhang lebt in Luxus und lässt es sich den ganzen Tag gut gehen. Der ungeheure Reichtum der Saudis wird für den Kauf immer höher entwickelter Waffen vom Pentagon ausgegeben, von deren Gebrauch das schwache Militär wahrscheinlich nur wenig Ahnung hat. Die Menschen, die die Arbeit verrichten, haben kaum politische Rechte. Was die Saudiherrscher haben, ist Mekka, Medina und eine Garantie der Vereinigten Staaten von Amerika, sie herauszuhauen, wenn sie jemals bedroht würden.

Die Vereinigten Staaten von Amerika begannen also gemeinsam mit ihren saudiarabischen und pakistanischen Handlangern, die afghanischen Mudschahedin zu finanzieren, auszubilden und zu bewaffnen. Ende 1984 machten sich tausende militante islamische Extremisten aus dem Mittleren Osten auf den Weg nach Afghanistan. Ihre Rekrutierung wurde organisiert vom saudiarabischen Geschäftsmann Osama Bin Laden. In Lagern, die in ländlichen afghanischen Gebieten errichtet wurden, unterzogen sich diese Freiwilligen militärischer Ausbildung, politischer Erziehung und islamischer Gewissensbildung. Der ISI - in Wirklichkeit der CIA - überwachte diese Vorbereitungen für den antisowjetischen Jihad.

Der Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan 1989 hatte nicht die Schließung dieser Lager zur Folge und erst recht nicht die Auflösung der NATO. Im Gegenteil, die Lager florierten und Rekruten wurden ausgebildet für einen Jihad nach dem anderen. Natürlich finanzierten und kontrollierten CIA und ISI weiterhin ihre Schützlinge. Die Jihads richteten sich in erster Linie gegen mutmaßliche Gegner oder Konkurrenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Freiwillige wurden in die chinesische Provinz Xinjiang geschickt, um dort den Versuch zu unternehmen, eine islamische Republik zu gründen und von China abzuspalten. Freiwillige tauchten auf in Tschetschenien und Dagestan, um bei der Mobilisierung antirussischer Emotionen zu helfen. Freiwillige machten sich auch auf den Weg nach Bosnien, um dort die erste islamische Republik in Europa zu errichten.

In jedem dieser Fällen deckten sich die Zielsetzungen der islamischen Fundamentalisten und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vereinigten Staaten von Amerika hielten natürlich nichts von der Scharia, sahen aber in einem islamischen Bosnien und Albanien nützliche Handlanger. Sie würden sich einfügen in eine informelle Gruppe islamischer Länder, die sich vom Persischen Golf bis in den Balkan erstreckte, Länder wie Türkei, Aserbaidschen, Saudiarabien und Kuwait. Diese stünde unter der Führung der Vereinigten Staaten von Amerika und wäre eng verbündet mit Israel. Das islamische Albanien sollte aufgebaut werden, um Griechenland als NATO-Basis im östlichen Mittelmeerraum ersetzen. Dieser Block von Moslemstaaten würde als Aufmarschgebiet für die Expansion der Vereinigten Staaten von Amerika in das muslimische Zentralasien mit seinen reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Region des Kaspischen Meeres.

Im Fall Bosnien ermutigten die Vereinigten Staaten von Amerika die Regierung in Sarajevo, sich nicht auf die afghanischen Hilfskräfte, die hauptsächlich aus Sunniten bestanden, zu beschränken, sondern auch mit den schiitischen Iranern gute Beziehungen zu pflegen. Im Mai 1991, fast ein Jahr vor dem Ausbruch des Krieges in Bosnien, kam Präsident Alija Isetbegovic zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Teheran. Er brachte dort seine Wünsche nach einem Ausbau der Beziehungen mit Iran zum Ausdruck. Die iranischen Mullahs waren von Isetbegovic beeindruckt und sahen in ihm "einen gläubigen Muslim, dessen Partei die stärkste politische Gruppierung in Bosnien-Herzegowina bildet und die jugoslawischen Muslime vereinigen wird." Im Mai 1991 schickte Iran 65 islamische Kämpfer nach Bosnien. Von Iranern geleitete Ausbildungslager für Terroristen eröffneten ihren Betrieb in Bosnien im Sommer 1991. Dann tauchten die Hisbollah-Guerillas unter der Führung von General Bakri Hassan Salili auf, dem Chef des Geheimdienstes der sudanesischen Armee.

Das Ziel der islamischen Fundamentalisten ist die Schaffung eines islamischen Staates und die Einführung der Scharia. Die Ausrichtung der Fundamentalisten ist extrem religiös, stellt aber keine politische Bedrohung dar. Das überrascht nicht. Die Kämpfer werden in privaten religiösen Schulen herangebildet, sogenannten Madrasas, die heute in einer Reihe von islamischen Ländern florieren, von Saudiarabien großzügig mit Geldmitteln unterstützt. Diese Madrasas unterrichten daher auch grundsätzlich nach dem saudiarabischen Lehrplan: Scharia, Scharia und noch einmal Scharia. Die Schaffung eines Kaders von unpolitischen islamischen Führungskräften ist das klare Ziel sowohl Saudiarabiens wie auch der Vereinigten Staaten von Amerika. Unpolitische islamische Führer schließen eher Verträge mit US-Firmen, beteiligen sich eher an NATO-Manövern und führen eher ein vom IWF vorgeschriebenes Programm durch als wirklich nationalistische Führer wie Slobodan Milosevic oder sogar Franjo Tudjman.

Die angebliche Kluft zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und den Taliban war immer schon ein Schwindel. Saudiarabien, Pakistan und die Taliban arbeiten im Gespann. Nach Selig Harrison vom Woodrow Wilson Center "sind die Taliban nicht nur Rekruten aus den Madrasas, sondern stehen auf der Lohnliste des (pakistanischen) ISI." Darüber hinaus sind die alten Verbindungen zwischen den Geheimdiensten noch intakt: "Der CIA unterhält noch immer enge Beziehungen mit dem ISI." Die Vereinigten Staaten von Amerika setzen auch nicht wirklich Druck hinter die Sanktionen gegen die Taliban. Harrison führt aus, das die Resolution des UNO Weltsicherheitsrates 1333 ein Waffenembargo gegen die Taliban fordert, da diese sich weigern, Osama Bin Laden auszuliefern. "Aber es ist eine zahnlose Resolution, da sie keine Sanktionen für ihre Nichtbefolgung vorsieht," sagt er, "die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen nicht die Russen, die dieser Resolution mehr Zähne verleihen wollen"

Geben wir uns also der erfreulichen Vorstellung hin, dass die Vereinigten Staaten von Amerika wirklich scharf hinter Osama Bin Laden her sind. Dieser nützt Washington sehr gerade dort, wo er sich zur Zeit aufhält - indem er Unruhe stiftet für die Chinesen, die Inder und vor allem für die Russen.

Was die Riesenbuddhas betrifft, könnten sie uns wirklich nicht noch weniger bekümmern. Aber Buddhismus ist heutzutage ziemlich modern, besonders in Hollywood. Daher muss halt protestiert werden. Im Fall der serbischen Klöster brauchte es nicht einmal das.

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